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  • AutorenbildToni Froestl

Wonach suchst Du...?

Ich habe festgestellt, wenn ein Date dich danach fragt, ist:

"...nach einem Ausweg" nicht unbedingt die richtige Antwort.


Wobei ich die Frage grundsätzlich ziemlich gut und richtig finde. Und es war in diesem speziellen Fall auch die ehrlichste Antwort, die ich geben konnte.


Ich weiß, viele Singles finden das abgedroschen, aber im Kern möchte das Gegenüber verständlicherweise wissen, nach welcher Art Partner, für welche Art Partnerschaft man Ausschau hält. Und da sind die Optionen, Wünsche und Bedürfnisse nunmal sehr unterschiedlich oder aus einem eher schlicht gehalten Profil-Inhalt auch nicht ersichtlich oder gar manchmal absichtlich verschwiegen.

 

Ich bin 52 Jahre alt, seit einem Jahr Single und aktiv im Online-Dating. Ich hatte dutzende von Dates und viele sehr schöne, inspirierende und bereichernde Treffen und Begegnungen, aber auch viel gelernt - in jeglicher Hinsicht. Aber das Schöne ist, vor allem über mich selbst. Und das ist der Kern von Dating – es ist eine intensive Reise zu Dir selbst, an deren Ende hoffentlich ein Partner, eine Partnerin gefunden wurde, mit dem Du Du-selbst kannst und darfst.


Du denkst: „Poh, 52? Na bei so einem alten Sack ist das Dating sicher ganz anders als bei mir jungem Hupfer!“

Die Antwort: Nö, Dating ist für alle Altersklassen gleichermaßen Fluch und Segen, Himmel und Hölle. Und das ist altersunabhängig, auch wenn die Wünsche variieren.

 

Wie willst Du lieben, was willst Du erleben, was tut Dir gerade gut? Das sind doch die Kern-Fragen und alles andere ist nachgelagert. Die Entscheidung ist doch primär, ob Du eine feste, eine lockere oder gar eine offene Beziehung führen willst, ob Du eine Familie gründen, Kinder haben willst oder nicht, oder ob Du die Familienplanung abgeschlossen hast.

Und je nach dem entscheiden Deine aktuelle Lebenssituation und Deine jeweiligen Bedürfnisse doch nur darüber, welcher Mensch als Partner zu Dir passt. Oder es vielleicht tatsächlich nur um Freundschaft, Ablenkung oder ums flotte Vögeln geht.


Was Du auch gerade suchst, es beginnt mit Deinem eigenen Profil, mit Deinem öffentlichen Schaufenster. Das klingt sehr banal, aber, wenn man Tausende von Profilen gesehen und mehr oder minder begutachtet hat, ist es essentiell, dafür noch einmal Bewusstsein zu schaffen. Welchen Eindruck über Deine Fotos und Deinen Text willst Du wirklich vermitteln? Entspricht Dir das, was Du zur Schau stellst, wirklich? Bist Du verhalten und schüchtern, oder eher selbstbewusst, gar zu selbstbewusst? Mit welchen Werten und Aussagen positionierst Du Dich? Was möchtest Du erleben?


Was ist wichtig an Basis-Infos für Deine eigene Zielgruppe? Ist das alles klar genug bei Dir und Deinem Profil? Was stellst Du da rein, wenn Du etwas an den Mann, beziehungsweise an die Frau bringen willst? Ich weiß, das klingt wie Marketing-Deutsch - aber im Grunde gehts doch um das Gleiche. Ums Anpreisen und Verkaufen und dann hoffentlich ohne Widerruf, Reklamation, Umtausch oder Rückgabe einen Abschluss tätigen.

 

Und bei all dem hast Du nichts zu verlieren, wenn Du einfach aufrichtig bist und Dich zeigst, wie Du bist. Dein Gesicht, Deine Augen, Deine Figur - das ist Deine Auslage im Schaufenster. Wie soll eine für Dich geeignete Frau oder ein Mann sonst entscheiden, ob sie Dich nach rechts wischt?

„What you see is what you get“ erspart Dir eine "Produktenttäuschung", wenn es zum Treffen kommt. Die wirst Du auf der Gegenseite aber leider häufiger erleben. Wenigstens Du hast Dir dann nichts vorzuwerfen. Und einen realen Ausweg gibts ja Gott sei Dank immer.


Du kannst selbst so offen und ehrlich sein wie Du willst, und Deine Produktbeschreibung so real und aufrichtig gestalten, wie Du nur kannst, es nützt nur bedingt. Denn natürlich lesen die wenigsten, weder Frauen noch Männer, den Profiltext, bevor sie wischen. Das hab ich oft genug festgestellt. Ich mach das natürlich immer! Trust me...


Kein Text und keine weiteren Angaben sind übrigens auch ein Statement – und leider oft ein Zeichen von Überheblichkeit, weil ja allein die tollen (Poser-) Fotos ausreichen müssten, um Eindruck zu hinterlassen. Wenn die Optik wirklich das alleinige Kriterium sein soll, dann ist das ja auch eine Entscheidung, bzw. eine Haltung. Meine ist es nicht. (An dieser Stelle darf ich meinen anderen Mann-Frau-Post "Die berühmte Schachtel Pralinen" der verehrten Leserschaft empfehlen.)

 

Die Frage "Was oder wonach suchst Du?" ist für mich also legitim. Ich hätte sie selbst ein paar Mal schon im Chat nach einem Match stellen sollen. Zum Beispiel hätte ich einmal schon gerne vor dem realen Date gewusst, dass die junge Dame (sie war 40) darauf steht, "ältere Männer" (schon allein das ist ne Frechheit) stellvertretend für ihren Vater zu foltern und sie es antörnt, Zigaretten auf deren Körper auszudrücken. Und dass sie auch nur mit einem Kerl schläft, wenn er sich ihretwegen hat beschneiden lassen - also untenrum, um das klarzustellen. Irgendwie wären das schon brutal wichtige Informationen gewesen, oder?

Dabei fing alles fast schon romantisch an. Ein lauer Sommerabend - Italo-Hits live im Brunnenhof der Münchner Residenz. Hach... Bis die Vorstellung von 20 Zentimeter Stilettos, die sich in mein Herz bohren, dem fröhlichen Lasciate mi cantare einen gedanklichen Coitus interruptus bescherten. Mein Kopfkino hätte einen Oscar verdient.

Aber sei es drum: sie war eine ehrliche Haut und es war ein unterhaltsamer Abend, der keinerlei Spuren hinterlassen hat.


Sich begegnen ist eben auch, die Wahrheit zu daten.


Wobei ich persönlich die Frage "Was suchst Du?" im Vorfeld ja gar nicht wirklich beantworten kann. Der reale Austausch, das Sich-Begegnen, und die Chemie mit einem Menschen entscheidet doch letztlich darüber, was entstehen kann und darf. Wie soll ich das vorher wissen, ohne die Frau erlebt zu haben? Nur in der Realität kommt die geballte Macht der Sinne zum Zuge. Wie bewegt sie sich? Welche Mimik hat sie? Wie klingt ihre Stimme in meinen Ohren? Unser Unterbewusstsein ist da in Sekundenschnelle parat und bestimmt gehörig mit, ob sich eine chemische Verbindung aufbauen darf.


Wenn es denn zu solchen Treffen überhaupt kommt und nicht schon im Chat klar wird, dass eine Begegnung gar keinen Sinn macht, weil schon in der Schreiberei zu Tage tritt, dass die Interessen, Einstellungen und Beziehungs- und Lebensweisen dann doch zu unterschiedlich sind. Oder das gemeinsame „Verständnis“ von Intellekt, Rechtschreibung und Grammatik.


Manche Dates und Flirts sind aber trotz anfänglicher Euphorie und Chemie dann doch nicht mehr als "Tischfeuerwerk". Es gibt ein kurzes „Plopp“, wie wenn der Clown aus der Schachtel springt; einen kurzen Wunderkerzen-Funkenregen, der nach kürzester Zeit verebbt; und am Ende bleibt nicht mehr als ein verrußter Stängel als Erinnerung.

 

Meine Textzeile im Profiltext: „Suche Rakete oder Granate, um gemeinsam zu knallen🚀💥" drückt aber ja so viel mehr aus. Was ich gerne langfristig gemeinsam erarbeiten, erleben und spüren möchte - das hat richtig Wumms, es reißt einen vom Hocker, die Druckwelle trifft tief in den Bauch und ins Gebein, es raubt einem im Augenblick die Sinne und schlägt erschütternd ein in meine Welt wie eine Bombe. Ausdrücklich bemerkt: natürlich finde ich die Assoziation "Granate oder Rakete" auch in seggsueller Hinsicht so überaus passend...

Weil es genau das ausdrückt, was ich mir wünsche... kein schnelles, verrauchendes Verpuffen, sondern Granatensex – ein farbenfrohes Feuerwerk des "miteinander Knallens", des Explodierens mit Funkenregen am Firmament...

Wie auch das "Verknallen" den Wunsch nach den Schmetterlingen, dem Kribbeln, dem Prickeln widerspiegelt...

Und "knallen" ist ja auch ein Synonym für das "unvernünftige, verträumte, kindische, schelmische, umhertollende, närrische, Unfug treibende und nicht an morgen denkende" Verhalten...


"Du bist der Knaller" ist eines der schönsten Komplimente, die es für mich gibt.

Aber bis zu diesem Satz liegt eventuell noch ein langer, steiniger Weg vor mir.


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